Die Führung beginnt im Osnabrücker Rathaus, welches 1512 in spätgotischen Stil fertiggestellt wurde. Vom Friedenssaal als wichtigstem historischen Raum zur Geschichte des Westfälischen Friedens 1648 sowie den Bildnissen der beteiligten Herrscher und Gesandten sowie seinem original erhaltenen Mobiliar der Gotik und der Renaissance zum Obergeschoß mit dem vom Kupferstecher Wenzel Hollar in den 1950er Jahren gebaute Modell der historischen Altstadt, wie sie um 1633 ausgesehen hat. Hier werden wichtige Dekaden der Stadtgeschichte und -entwicklung erläutert.

Der Gang durch die Altstadt zeigt deren guter Erhaltungszustand, da hier im letzten Krieg, im Gegensatz zum Rest der Stadt, nicht allzu viel zerstört wurde. Hier gibt es sowohl Gebäude des Klassizismus, des Rokokos, viele Fachwerkhäuser, zum Teil aus dem 16.Jahrhundert stammend, als auch gut erhaltene Steinwerke aus romanischer und gotischer Zeit. Das heutige Heger Tor war ursprünglich eine Wehranlage innerhalb der Stadtmauer, bestehend aus Turm, Tor, Bastion, Zwinger und Durchfahrt. Diese wurde um 1815 abgerissen und 1817 das Waterloo – Tor, im Zuge des Abbaus großer Teile der bis dahin bestehenden stadtumschließenden Wehranlagen, erbaut. Es erinnert an die Osnabrücker Krieger der King’s German Legion, die in der Schlacht bei Waterloo kämpften. Von den Seiten führen Treppen auf das Tor hinauf, von wo aus man einen guten Blick über die Dächer der Altstadt bis zum Marienkirchturm hat. Das Waterloo – Tor wird heute allgemein als Heger-Tor bezeichnet, da es, beim Hindurchgehen aus der Altstadt kommend, den Eingang in die Heger Laischaft bezeichnet.

Der Bürgerbrunnen des Künstlers Hans Gerd Ruwe zeigt bronzene Stadtgeschichte. Dieser ist den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Osnabrück und ihrer Geschichte gewidmet. Aus diesem Grunde wurde zum 1200-jährigen Jubiläum ein neuer Marktbrunnen in Auftrag gegeben. Die Motivsäule zeigt in verschiedenen Abstufungen Gebäude, Szenen und Ereignisse aus der Alltagswelt des Mittelalters wie das Leben der Menschen, buntes Markttreiben, aber auch Krankheit und Tod wie der Pest. Zu alleroberst steht Friedrich I. Barbarossa mit der Urkunde, die es der Stadt erlaubt, sich durch eine Umfassungsmauer zu schützen und eine eigene Gerichtsbarkeit zu haben. Ursprünglich sollte der Bürgerbrunnen (eigentlicher Name „Marktbrunnen“ wegen seines angedachten Standortes) am Platz seines mittelalterlichen Vorgängers, auf dem Marktplatz direkt vor dem Rathaus, stehen, wurde dann aber nach langem hin und her am Innenhof der Stadtbibliothek mit Sichtachse zum Marktplatz, aufgestellt. Den Standort des ursprünglichen Marktbrunnens ziert seitdem ein ebenerdiger Brunnendeckel in Form des Stadtwappens, dem Osnabrücker Rad.

Das Rad des Stadtwappens ist als unverkennbares Symbol der Heiligen Katharina von Alexandria bekannt, das als Münzzeichen des Hochstifts Osnabrück schon seit dem 13. Jahrhundert in den Siegeln abgebildet ist. Zu dieser Zeit war im Wappen neben dem Rad auch der Heilige Petrus als Patron des Domes zu sehen. Später wurde nur noch das Rad gezeigt.

Normalerweise wird bei dieser Führung auch die Marktkirche St. Marien besucht, was aber an diesem Tag aufgrund der Geräuschkulisse des Weihnachtsmarktes schwieig gewesen wäre. Der Dom St. Petrus wurde ursprünglich in romanischer Bauform begonnen und später in gotischer fertiggestellt, was man an seinen zwei Türmen unterschiedlichen Aussehens gut erkennen kann. Ab dem 12. Jahrhundert wurde der Dom nach und nach und besonders im 17. Jahrhundert bis zu seiner heutigen Gestalt ausgebaut. Zu den ältesten Teilen des Doms gehören der romanische Vierungsturm, die Nordfront und die romanisch-gotische Westfassade. Besonderes Merkmal ist das Kuppelgewölbe im Mittelteil des dreischiffigen Langhauses, das genauso hoch ist, wie die Pfeiler, die es tragen. Durch die Lage der Kämpfer der Mittelschiffsgewölbe treten deren seitliche Schubkräfte so tief auf, dass man es wagen konnte, auf Strebebögenzu verzichten. Die ältesten Ausstattungsstücke sind das Taufecken von 1220 und das Triumphkreuz von 1230. Das Jesuskreuz stellt mit seinen 4 x 6m das größte Norddeutschlands dar. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Turmdächer mit den geschwungen-barocken Hauben zerstört. Der Wiederaufbau versah die Türme mit schlichten niedrigen Pyramidendächern.


TEXT & FOTOS Rüdiger Lange