Nach der Bibel sind Engel Gottesboten, überirdische Geistwesen, die die Heiligkeit und Herrlichkeit Gottes sowie seine helfende Nähe veranschaulichen. Die Erscheinungsform der uns bekannten Engel, in Menschengestalt mit Flügeln, entstammen einer historischen Überlieferung, nach der sich Engel vom Himmel zu uns auf die Erde bewegen. Die Flügel stehen in Bedeutung für die Dimension von Freiheit in Zeit und Raum, für die Zugehörigkeit der himmlischen Sphären und als Symbol für Schutz und Geborgenheit. In der Weihnachtsgeschichte kommen sieben unterschiedliche Engel vor. So gibt es z.B. Verkündungsengel, die den Menschen Botschaften überbringen.

Der Barockzeit entstammende, musizierende Engel als Vertreter der himmlischen Heerscharen, die die Geburt des Jesuskindes lobpreisen. Schutzengel, die die Menschen vor Unheil bewahren. Einige wenige sind auch namentlich bekannt, wie z.B. Gabriel, einer von vier Erzengeln, welcher Maria die Verkündigung überbrachte. Manche Engelsfiguren werden ohne Flügel, andere widerum gleich mit mehreren Flügelpaaren dargestellt. Und sogar im Islam gibt es Engel. Seit dem Mittelalter wurden Engelsdarstellungen auch dem Zeitgeist angepaßt. Waren sie ursprünglich nur in Wolken gehüllt, trugen sie später die Kleidung der Zeit. Was wir mit Engelsbotschaften verbinden, hängt im Wesentlichen von Bildung und Erfahrungen im Leben jedes Einzelnen und von Glaubensgemeinschaften ab.

So vielfältig, wie Engel in der Weihnachtsgeschichte vorkommen, sind auch die Darstellungsformen der Künstlerinnen und Künstler des Osnabrücker Landes bei er Erschaffung dieser Figuren.

So erschuf Jakob Holtmann die Weihnachtskrippe im Osnabrücker Dom in der Zeit von 1919 – 1929 mit einer außergewöhnlichen Vielzahl unterschiedlicher Engelsfiguren und einigen Metapherwesen. Das älteste bekannte Verkündigungsrelief im Osnabrücker Land aus dem Jahre 1525 stammt aus dem Zisterzienserinnenkloster Bersenbrück und wurde von einem Osnabrücker Meister gestaltet, wie die Bildhauer im ausgehenden Mittelalter hießen. Hier hat der verkündende Engel keine Flügel, man vermutet aber, das das Relief einst in einem Altar eingebaut war. Zu den besonderen Merkmalen der Arbeiten Ludwig Noldes gehört, das er neben den regionaltypischen Gestaltungselementen und Figuren meist eine Figur besonders herausstellte. Bei der hier gezeigten Niedersachsenkrippe von 1928 ist es der Verkündungsengel, der sich schwebend vor dem Giebel eines Fachwerkhauses befindet. Und der in den Händen ein Spruchband hält, auf dem nicht, wie sonst üblich, in Latein der Satz „Gloria in exelsis Deo“ steht, sondern „Ehre sei Gott in der Höhe“ zu lesen ist. Die Engels- und Krippenfiguren Willi Wittes zeichnen sich durch eine stark aufs Wesentliche reduzierte Formensprache aus. Bei den hier gezeigten Arbeiten verwendet er überwiegend Holz, aber auch in Bronze ist ein ausdrucksstarkes Relief mit dem Titel „Verkündungsengel“ vertreten. Ein besonderes Exponat ist eine zweiteilige Weihnachtskrippe, die er aus dem Firstbalken eines alten, emsländischen Bauernhauses schnitzte, das nicht mehr zu retten war. Der Bauernfamilie war es wichtig, einen Teil des alten Hauses mit ins neue Haus nehmen zu können. So entstand die Idee des Bildhauers, eine Weihnachtskrippe zu schnitzen. Die Arbeiten Dominikus Wittes entstehen durch die Verdichtung mehrerer Teile, dem Finden der Balance zwischen figürlicher Darstellung und der Abstraktion. Ähnlich wie sein Vater Willi Witte reduziert er dabei wesentliche Teile auf einen gemeinsamen Nenner, wobei aber wichtige Details immer noch sichtbar sind. Wie an der Bronzearbeit „Verkündigung an Maria“ deutlich zu erkennen. Um beim Metall zu bleiben, sei hier noch die Krippe von Bruder Petrus Heinze aus dem Benediktinerkloster in Damme erwähnt, der ursprünglich gelernter Schmied war und große Freude daran hatte, aus Hufnägeln verschiedenste Gegenstände herzustellen. Das führte dazu, das er im Jahr 1980 eine ganze Weihnachtskrippe aus diesem Material schuf und wichtige Elemente vergoldete. Ein zeitgenössisches Verkündigungsrelief in Form eines Tafelbildes ist von der Keramikmeisterin Petra Murray zu sehen. Das Bild besteht aus einem Feinsteinzeug und hat an den Stellen, die den Bildhintergrund darstellen, tieferliegende Negativflächen, die dann mit farbigen Glasstückchen ausgefüllt sind. Interessant bei dieser Darstellung ist, das der verkündende Engel in der Luft schwebend und kopfüber Maria begegnet.

Es sind natürlich noch viele andere Engels- und Krippendarstellungen in dieser Ausstellung zu bestaunen, die noch bis zum 5. Februar 2023 zu sehen ist. Besucher sollten auf jeden Fall Zeit mitbringen, um die Exponate in Ruhe anzusehen.


TEXT & FOTOS Rüdiger Lange