Zauberwald – eine interdisziplinäre Kunstausstellung

6. Mai 2024

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Feiern mit Herz und Hirn in der Skatehall

 

Attack | Interview

Über meine Tätigkeit beim KAOS e.V. hatte ich vom Angebot der SchwarzLichtGestalten e.V. erfahren, im Rahmen ihrer Partyreihe „Zauberwald“ am 20.04.24 zu KUKUK-Konditionen teilnehmen zu können.

Was zunächst nicht uninteressant klang, machte mich durch die Lektüre der Homepage dann richtig neugierig: Liest man sich den „Über uns“-Beitrag durch, erhält man zunächst den Eindruck eines liberalen, progressiven Veranstalterkollektivs. Scrollt man aber etwas weiter runter, sieht man plötzlich Fotos von einer Ackerfläche und einigen SchwarzLichtGestalten, die dort diverse Bodenvorbereitungen, Aussaaten, Pflanzungen vornehmen — was hat es nun damit auf sich? Laut dem Beitrag geht es um die Liebe zur Natur und dem Streben nach einem Leben im Einklang mit derselben. Als möglichst nachhaltig und naturverbunden lebendem Menschen interessierte mich, was genau hinter diesem Projekt steckte.

Dem konnte ich unkompliziert nachgehen, da es in der Vergangenheit bereits eine Zusammenarbeit mit KUKUK gab und eine Verbindung somit bereits bestand. Die SchwarzLichtGestalten waren Gäste beim KUKUKsRuf 10/23 und einen Monat zuvor gab es bereits eine Zauberwaldparty als Kulturpartner von KUKUK. Am Freitag empfingen mich Mitglieder des Vorstands und nahmen sich die Zeit, meine vielen Fragen zu beantworten. Wir trafen uns in der Skatehall, wo viele Mitglieder des Vereins schraubten, hämmerten, schleppten… um die Vorbereitungen auf die Party voranzutreiben. Dazwischen waren auchDekorateur*innen beschäftigt, die Skatehall mit ihrer aufwändigen Dekoration auszustaffieren. Bereits die gesamte Woche über waren die Mitglieder in ihrer Freizeit damit beschäftigt, die Skatehall für den Samstag herzurichten. Seit mehr als 10 Jahren richtet das Kollektiv – inzwischen als Verein – durchschnittlich zweimal jährlich eine vergleichbare Party aus.

Die im Gespräch geschilderten Beispiele untermauerten ihre auf der Homepage proklamierte Offenheit für eine als Bereicherung aufgefasste Andersartigkeit sehr glaubwürdig. Auch von allen SchwarzLichtGestalten, zu denen ich Kontakt hatte, wurde dies authentisch verkörpert.

Das Konzept der Party verfolgt — neben einer maximal guten Zeit — das Ziel, ein möglichst inkludierendes, vielfältiges und nachhaltiges Angebot bereit zu stellen: Ein Anliegen des Vereins besteht darin, über Alters- oder Genregrenzen hinweg Publikum anzusprechen. Dazu wurde eine der Party vorausgehende Ausstellung etabliert. Dieses Angebot soll aber nicht nur in Richtung des Publikums wirken, sondern will gerade auch jüngeren, unbekannteren Künstler*innen — letztlich aber jedem Menschen — einen Raum eröffnen, die eigene Kunst zu präsentieren.

Die erwähnte Ackerfläche kann als „Ausgleichsfläche“ verstanden werden: Vor knapp zwei Jahren pachtete der Verein eine nahe gelegene Ackerfläche südlich des Venner Moors, um diese ökologisch aufzuwerten. Naturverbundenheit bei gleichzeitigem Bewusstsein, dass die ausgerichteten Events wenig umweltverträglich sind (Lautstärke, Müll, Energieverbrauch…) gehen die SchwarzLichtGestalten einen konsequenten Weg, um eine möglichst nachhaltige Veranstaltung zu gewährleisten. Schritt für Schritt (zum Beispiel über die Verwendung von regionalen Getränkesorten) setzt die Gruppe nachhaltige Lösungen in ihrem Angebot um. Dazu wurde eine Wildgehölzhecke gepflanzt und Baumpflanzungen vorgenommen, um den Acker mittelfristig in eine ökologisch höherwertige Streuobstwiese umzuwandeln. Mit dem Auflaufen der Ackerwildkräuter konnte bereits in der ersten Saison ein deutlicher Zuwachs an Biodiversität verzeichnet werden. Der mit dem Herrichten und der Pflege der Fläche verbundene Einsatz unterstreicht glaubwürdig, dass die Liebe zur Natur kein Lippenbekenntnis ist.

Ein ausgeprägter Sinn für die eigene Verantwortung in der Rolle des Veranstalters gegenüber dem Wohlbefinden ihrer Gäste kommt zum Beispiel im Aufbau eines sehr weitläufigen Chillout-Bereiches, ausgestattet mit bequemen Sitzgelegenheiten an kleinen Tischen in der Mitte der Skatehall zum Ausdruck. Darüber wölbt sich eine mehrere Meter durchmessende, beleuchtete Kuppel, die als Teil der Deko im Raum eine entspannte Atmosphäre erzeugt. Ringsum sind verschiedene externe Stände, die Tee, Waffeln, eigens entworfene und geschneiderte Kleidung und vieles mehr anbieten.

Weiterhin ist ein Team von Eve & Rave engagiert, die allen Besuchenden mit ihrer Beratungstätigkeit in Bezug auf „safer use“ den ganzen Abend zur Verfügung stehen. Darüber hinaus ist ein Awareness-Team stets für alle Fragen und Nöte auf dem Gelände unterwegs und ansprechbar.

Warum steckt das „Trance“ in Psytrance, welchen Einfluss nimmt die Rhythmusfrequenz auf die Herzfrequenz? Welchen Einfluss hat TIKTOK auf die Art des Musikkonsums und Feierns junger Partygänger*innen? Welche Auswirkungen hatte die Corona-Pandmie auf die Feierkultur? Zu diesen und weiteren Fragen erhielt ich spannende und kluge Analysen und Ansichten, aber an dieser Stelle muss mal ein „Punkt“ stehen.

Entgegenzutreten ist an dieser Stelle dem aufgrund all der demonstrierten Abgeklärtheit möglicherweise entstandenen falschen Eindruck, dass es sich bei den SchwarzLichtGestalten nicht um Menschen handelt, die hart und ausgiebig feiern wollen und können.

Decay | Ausstellung

Die Ausstellung am Samstag startete um 18 Uhr. Die rund 80 Gäste konnten sich mit Fotografien, Malereien und Skulpturen verschiedener Künstler*innen auseinandersetzen. Einführende Texte der Künstler*innen verschafften weitere Einblicke. Aspekte wie Recycling/Upcycling, das künstlerisch umgesetzte Wechselspiel zwischen dem Individuum und seiner Umgebung, der künstlerische Ausdruck von und Umgang mit Gefühlen, der Umgang mit Licht und Schatten, Kommunikation waren die Themen, die in ca. 50 Exponaten ausgestellt wurden.

Die Ausstellung wurde von einem DJ-Set klassischer Musik begleitet, die für eine unerwartete, gleichwohl angemessene Untermalung sorgte. Das Ziel, mit diesem Angebot andere Menschen in die „Welt der SchwarzLichtGestalten“ einzuladen, konnte erreicht werden, denn unter den Besuchern war eine altersmäßig hohe Bandbreite vertreten. Auch einige kleine Kinder liefen munter zwischen den Kunstwerken umher. Bemerkenswert finde ich auch, dass die Ausstellung kostenlos zu besuchen war — immerhin war auch hierfür eine Menge an gedanklicher und physischer Vorbereitung von den SchwarzLichtGestalten investiert worden.

Mit fortschreitender Zeit und einziehender Dunkelheit trat auch, wie mir schon prognostiziert worden war, die opulente Schwarzlicht-Dekoration auf dem Gelände zunehmend in Erscheinung und man spürte auf diese Weise, wie sich der nächste Abschnitt dieses Abends manifestierte.

Sustain | Party

Nachdem ich zuhause einige Stunden Pause gemacht hatte, kehrte ich gegen 0.00 Uhr zurück. Die Schlange an der Kasse deutete bereits darauf hin, dass der Kern des gesamten Events — die Party — in vollem Gange war. Die Dekoration kam voll zur Geltung: kosmische, psychedelische, natürliche Elemente werden farbenfroh vereint und erzeugten — zumindest bei mir — ein Gefühl von Fremdheit, eines jenseits von Grenzen, einer anderen Welt — vielleicht auch ein visueller Ausdruck für die Liebe zur Andersartigkeit…

Leider verpasst habe ich Acid Stew. Der Auftritt der Progressive Rockband ist ein weiteres Beispiel für die Alters- und Genreoffenheit des Kollektivs: Das Gespann aus Vater und Sohn hat ein eigens für den Zauberwald komponiertes Set gespielt, bei dem sie lediglich vier analoge Synthesizer verwendeten.

Auf zwei Floors wurden verschiedene, vorwiegend elektronische Musikstile von unterschiedlichen DJs gespielt. Die kontinuierlich zunehmende Zahl der Besuchenden einzuschätzen, ist aufgrund des weitläufigen Geländes schwierig, aber ich denke, dass während der Zeit, zu der ich da war, ca. 400 Besucher*innen gemeinsam feierten.

Die Stimmung war sehr gut: Heiterkeit und respektvoller Umgang auf und neben der Tanzfläche standen im Vordergrund. Ich fühlte mich sofort wohl und gut aufgehoben und schoss schnell noch einige Fotos für diesen Bericht, damit ich dann endlich auch tanzen konnte.

Es ist schwierig, darüber zu berichten, da Musik ja für jeden unterschiedlich funktioniert: Ich fand schnell einen Zugang und konnte das Tanzen genießen. Trotz des recht kleinen Floors herrschte überall Rücksicht, jeder und jedem wurde genug Platz zum Tanzen eingeräumt. Immer wieder wanderte mein Blick auch in die Dekoration, die mein Erleben dieser Musik weiter inspirierte.

Leider konnte ich dann aus gesundheitlichen Gründen (Migräne) nicht so lange durchhalten, wie ich es mir gewünscht hatte und verließ nach einer dreiviertel Stunde verschwitzt und zufrieden den Floor.

Auch in der entspannten Atmosphäre des Chillouts hielt ich mich einige Zeit auf. Hier wurde ebenfalls — vergleichsweise zurückgenommene — elektronische Musik aufgelegt und ich konnte noch in Ruhe entspannen und ein wenig meinen Gedanken nachhängen. In einigen kurzen Unterhaltungen lernte ich sehr aufgeschlossene und freundliche Menschen kennen, was sehr zu meinem Bild der Veranstaltung passte.

Release | Nachklang

Das hat Spaß gemacht! Eine lebendige Party voller positiver Energie! Ich habe nun die ganze Zeit über den Begriff „Party“ verwendet, der aber eigentlich viel zu kurz greift. Besser umschreibt dies ein Begriff, der im Vorgespräch in diesem Zusammenhang fiel: eine kultur-interdisziplinäre Begegnungsstätte. Ich empfinde das nicht als übertrieben, sondern es trifft es ganz gut. Denn tatsächlich geht es um eine Begegnung, ein gemeinsames Erleben und Genießen.

Ein sehr ganzheitliches Erlebnis: Neben toller Musik, einer ansprechend und liebevoll inszenierten Skatehall trifft man hier auf herzliche, mutige, aufgeschlossene, feierwütige Menschen!

 

TEXT Chris Ellermann

FOTOS Christian Scholz & Chris Ellermann