Illustration: Iman Sarrami

Die Ausstellung erprobt neue Wege der Museumsarbeit. Erarbeitet von migrantischen Selbstorganisationen, Aktivist*innen, Studierenden, Ehrenamtlichen und Künstler*innen, ermöglicht sie einen multiperspektivischen Blick in die Osnabrücker Migrations-, Flucht- und Diskriminierungsgeschichte.
Spurensuchende finden im Stadtraum acht QR-Code-Stelen; Start der Tour ist das Museumsquartier Osnabrück (MQ4). Jede Station erzählt anhand von Briefen, Podcasts, Interviews, Fotos und Videos eine andere, für viele vielleicht bis heute verborgene, Geschichte – auch über ziviles Engagement.
So zeigen internationale Studierende in „COMMON GROUND. A trip down memory lane“ Osnabrück als einen Ort, an dem verschiedene Kulturen zusammenkommen. In den Interviews von „Black Osnabrück“ sprechen Schwarze Osnabrücker*innen über ihre Lebensgeschichten, ihre Wahrnehmung der „Friedensstadt“ und Zukunftsperspektiven für eine bessere Gesellschaft. „4. Mai 1973 – Wilder Streik bei Karmann“ befasst sich mit einem einstigen Osnabrücker Autobauer, der zu Beginn der 1970er viele Migrant:innen beschäftigte – und ihnen den Urlaub kürzen wollte, die einzige Chance für einen Heimaturlaub. „Lebensrealitäten – Hayatın gerçekleri“ spiegelt in acht Lebensgeschichten Osnabrücker Alltag zwischen Deutschland und der Türkei. In „Von Osnabrück nach Osnabrück“ eröffnen Briefe Perspektiven auf das Leben in Osnabrück. „Zivilgesellschaftliches Engagement & Migrantische Selbstorganisation“ zeigt Osnabrück als eine Stadt langer Migrations- und Fluchtgeschichte, mit einer vielfältigen Bevölkerung, unterschiedlichen gesellschaftlichen, rechtlichen, politischen Möglichkeiten der Teilhabe. „Flucht, Asyl & Aktivismus in Osnabrück“ fasst zusammen, dass die Unterstützung für Geflüchtete und Asylsuchende in Osnabrück eine lange Geschichte hat.

Die Ausstellung ist ein Projekt der Museumslotsin Laura Hartmann. Für sie ist Museum immer auch dort, wo Menschen sind und Geschichten ihrer eigenen Lebenswelt schreiben. Un.eindeutig Zuhause – Diverse Stadtgeschichten in Osnabrück erzählt eben diese, frei von jeder Musealität, an Orten ohne Eintrittszeiten und Hemmschwellen. Es sind Orte, die Begegnung und Austausch ermöglichen, auch ganz spontan. Es geht um Wissen und Gefühle, um das Infragestellen von Gewohnheiten, um Stadt-Verstehen und Stadt-Veränderung – und um das Statement, dass Vielheit eine Herausforderung ist, die uns alle reicher werden lässt.